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Die Geschichte des Hofes


Heinrich Niggemeyer geb.13. März 1900 gest. 10. Mai 1988Heinrich Niggemeyer geb.13. März 1900 gest. 10. Mai 1988

 

Die Chronik stellt ein Geschenk für den "neuen Bathof" dar. Sie soll dem Hof verbleiben, dazu dienen, dass die Vergangenheit des Hofes nicht ganz in Vergessenheit gerät, dass dessen gegenwärtiger Zustand, die Jetztzeit wahrheitsgetreu wiedergegeben und die Chronik in der Zukunft fortgeführt werden kann.

 

Heinrich Niggemeyer

 

 

 

 

 


Etteln und der Bathof  (Originaltext vom Verfasser Heinrich Niggemeyer)

Südlich der alten Landeshauptstadt Paderborn liegt im früheren Kreis Büren ein Tal, das von einem Flüsschen, das es durchfließt, seinen Namen trägt: das Altenautal mit seinen "Gründdörfern": Etteln, Henglarn, Atteln und Husen.

Wes Stammes die Bewohner hier einstens gewesen, woher sie gekommen, wird wohl immer ungeklärt bleiben. Es unterliegt aber wohl keinem Zweifel, dass schon in vorgeschichtlicher Zeit das Tal ziemlich stark bevölkert war. Für Archäologen, Altertums- und Geschichtsforscher gilt das Altenautal als ein Mittelpunkt jungsteinzeitlicher Besiedlung Westfalens. Die in diesem Gebiet gefundenen sieben Steinkistengräber werden dem Steinzeitalter, etwa 3 bis 4000 Jahre vor Chr. zugeordnet. Ein klarer Einblick in die Siedlungsweise der damaligen Bewohner lässt sich einstweilen noch nicht gewinnen. Es dürfte aber sicher sein, dass wir im Altenautal schon sehr früh geschlossene Dorfsiedlungen hatten, wenn auch nicht in der heutigen Größe und Ausdehnung. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass aus dieser Zeit noch ein Name vorhanden ist, der sich bis heute erhalten hat und allgemein bekannt ist: der  "Bathof", früher "de bathe hove", "Batehof", "Badehof" (Batemeyer). Er bedeutet Wasser-Hof, also Hof am Wasser. Er berechtigt zu der Annahme, dass dieser Hof mit seinem Namen schon in vorgeschichtlicher Zeit bestanden hat. Im Jahre 836 kam er dann wahrscheinlich zum Kloster Böddeken und blieb in dessen Besitz bis zur Säkularisation 1802.

Der von der Kirche heilig gesprochene Meinolph hatte in diesem Gebiete schon recht früh Besitzungen. Er gründete 837 zu Böddeken ein freiweltliches Damenstift. Es wurde von einer Äbtissin geleitet. Viele Familien des Paderborner Landes übergaben ihre Töchter den Kanonissen zur Erziehung. Das Kloster, das mit Ländereien reichlich ausgestattet wurde, war lange Zeit eine Pflanzstätte gesitteten Lebens und eine Kulturstätte für die ganze Gegend. Allmählich aber schwanden Gottesfurcht und Frömmigkeit: der Niedergang des Klosters setzte ein. Mancherlei Fehden, an denen sich auch die Ritter Konrad und Lippold von Etteln als "Amtsleute" beteiligten und gegen das Kloster stellten, führten zum Untergang. Die letzte Äbtissin verzichtete 1408 auf die klösterlichen Besitzungen.

Nach dem Verfall und Niedergang von Böddeken (1370) gelang es dem damaligen Bischof von Paderborn, Wilhelm Herzog von Berg, die Augustiner-Chorherren aus dem holländischen Kloster Zwolle zu veranlassen, dass sie Böddeken übernahmen und dort eine Niederlassung ihres Ordens gründeten.

Im Jahre 1409 wurde die Reform von Böddeken in Angriff genommen. Bald blühte neues Leben aus den Ruinen. Die Gebäude wurden, soweit es sich lohnte, ausgebessert, vergrößert oder neu errichtet, auch eine neue Kirche. Viele wüst liegende Äcker wurden wieder in fruchtbare und ertragreiche Felder verwandelt.

Es versteht sich von selbst, dass ein großer Teil der Besitzungen von Böddeken im nahe gelegenen Altenautal lagen. Die ganze Gegend bot ein buntes Bild von Streubesitz. Der Grund und Boden gehörte mit Feldern und Wäldern, Wiesen, Wassern und Höfen den sog. Grundherren: Kloster Böddeken, dem Kloster Herford, dem Freiherrn von Brenken, dem Freiherrn von Wewer, dem Domkapital und dem Domdechanten von Paderborn. Wie im einzelnen der Erwerb erfolgte, lässt sich aus Mangel an sicheren Quellen nicht nachweisen. Es ist aber anzunehmen, dass in den Staatsarchiven, sowie in den Archiven der beteiligten Adelsfamilien und im Generalvikariat Paderborn weitere Einzelheiten zu finden sind.

Die Landesherren achteten sehr darauf, dass ihnen ihr Besitz nicht geschmälert oder gar genommen wurde. Sie selbst nahmen aber für sich das Recht in Anspruch, bei günstiger Gelegenheit ihr Lehen gegen eine gewisse Entschädigung zu "verkaufen" und es später mal wieder zurück zu "kaufen".

Die Bauern, die Bewohner waren den Lehen-Grundherren abgabepflichtig. Für jede Siedlung wurde ein Güterverzeichnis angelegt, in welchem die Höhe der Abgaben festgelegt war. Diese richtete sich nach der Größe des Besitzes. Ein sog. "Amtsmeier", der von den Grund-Lehens-Herren eingesetzt wurde, war dafür verantwortlich, dass die festgelegten Abgaben rechtzeitig und vollständig abgeliefert wurden.

Die Abgabepflicht der Bauern an die Lehnsherren war für sie zunächst ein kleines Übel, führte aber durch die ständige Erhöhung im Lauf der Jahrhunderte zum Niedergang der Bauern bis zur weitgehenden Rechtlosigkeit und Verarmung. Der Bauer wurde sogar frondienstpflichtig.

Unsere Vorfahren haben auf ihren Gehöften die schlimmen Zeiten durchgestanden und sind dabei nicht zu Grunde gegangen, als die Zeit des 30jährigen Krieges (1618-1648) über sie kam. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 erholte sich infolge der Zähigkeit Land und Volk in erstaunlich kurzer Zeit.

Ab 1648 erscheinen auf dem Bathof die Geschlechter, die in dem Stammbaum nachgewiesen werden, insgesamt 13 in ununterbrochener Folge.

Die Namen der Besitzer des Bathofes vor dem 30jährigen Krieg konnten nicht ermittelt werden.

Neben der Rekultivierung von Böddeken waren die Mönche vor allem darauf bedacht,  die alten Besitzrechte zu erfassen und sicherzustellen. In den alten Akten und Lagerbüchern von Böddeken wird der Bathof wiederholt aufgeführt mit genauer Größenangabe, aber keine Familiennamen. In ihrem Lagerbuch IV, das von 1381-1452 reicht und sich zur Zeit im Archiv des Generalvikariates zu Paderborn befindet, finden wir unter Böddeken XL VI unter dem Jahre 1411 auf Seite XVIII alter und Seite 157 neuerer Einteilung ein Güterverzeichnis des ganzen Dorfes Etteln.

Unter den Gütern des Klosters Böddeken steht der Bathof gleich nach dem Meierhof "dem vrigen Hof in dem overen dorpe", also an zweiter Stelle. In demselben Buche sind dann unter dem Jahre 1436 die einzelnen Parzellen und ihre Lage in der Feldmark angeführt. In dem Hof- und Parzellenverzeichnis (Lagerbuch II, Fol. 139-199, zur Zeit im Generalvikariat Paderborn) tritt der Bathof mit 142,5 Morgen auf, ohne die Hofstätte. Es sind 34 Parzellen von 3/4 bis 16 Morgen.

Inhaber der Meierstätte ist Joh. Nagel. Ziemlich genau werden wir unterrichtet über die Zeit von 1501-1540 in zwei dicken Lagerbüchern (Codex 110-111), die auch als Chronik gedient haben (im Besitz des Altertumsvereins). Von 1522-1540 wird Bernt Nagels auf dem Bathof erwähnt. 1555 war Martin Nagels auf de bathe hove. Die Nagels scheinen bis zum 30jährigen Krieg auf dem Bathof gewesen zu sein. Vielleicht war der Dorfrichter Anton Nagel, der 1624 eine Urkunde ausstellte, vom Bathof gebürtig.

Die Lehnsherrschaft des Klosters Böddeken über Etteln war für die Bewohner von größter Bedeutung. Die Mönche waren bemüht, den Bauern eine bessere Bodenbearbeitung und Viehhaltung beizubringen, damit die Ackererträge und die Leistungen der Haustiere gesteigert werden konnten. Darüber hinaus wurde die religiöse Betreuung nicht vergessen. Die Mönche sammelten die Bewohner zu gemeinsamen Gottesdiensten. Sie errichteten Versammlungsräume, einfache Holzbauten, Gotteshäuser "Kirchen". In den früheren Siedlungen von Etteln gab es mehrere solcher "Gotteshäuser". Eines davon stand in unmittelbarer Nähe des heutigen "Meierhofes". Ein Kreuz an dieser Stelle erinnerte bis vor einigen Jahren daran.

Die Mönche aus Böddenken mussten während ihres Aufenthaltes in Etteln verpflegt - versorgt werden. Das geschah durch eine Familie, die neben der "Kirche" wohnte: "Kurks"= Koch. Die Familie wohnt heute noch dort und trägt noch den alten Namen "Kurks" (Josephs).

Durch die vorbildliche Rekultivierung der Ländereien und die gute Betreuung der Bewohner kam es zu einem gewissen Wohlstand, was leider böse Folgen hatte.

Es bildeten sich Banden, Marodeure, die raubend, plündernd und brandschatzend durch die Lande zogen. Zu ihnen gesellten sich die "sog." Raubritter, auch die Ritter Konrad und Lippold von Etteln, die wegen ihrer Brutalität und Rücksichtslosigkeit bekannt und gefürchtet waren. Sie waren in besonderem Maße an den Überfällen und Plünderungen der beiden Klöster Dalheim und Böddeken beteiligt, die zum Ruin, zum Niedergang der beiden Klöster führte, Böddeken 1370.

 

Weitere Seiten zur Geschichte des Hofes sind geschützt und werden nur nach Nachfrage freigegeben.

Bitte wenden Sie sich an die Familie des Bathofs.